Ist es sinnvoll, die Ozeane weiter als Deponie für Schlick aus Häfen und Wasserstraßen zu benutzen? Und dabei ein Verfahren nicht anzuwenden, das ökonomisch erheblich günstiger und umweltfreundlicher ist und zudem eine nachhaltige Lösung der Baggerprobleme bietet? Betrachtet man die jahrzehntelange Praxis der verantwortlichen Verwaltungen und Politiker, dann gewinnt man den Eindruck, dort fehlt die Bereitschaft zum innovativen Umdenken.

Um was geht es? Seit 25 Jahren wird z.B. im Außenhafen Emden ein Verfahren zur Schlickkonditionierung eingesetzt, das um ca. 80 Prozent günstiger ist als das ständige Ausbaggern und Deponieren des Baggerguts und das – wie weltweite Untersuchungen an anderen Schlickbaggerstellen inzwischen gezeigt haben – überall angewendet werden kann. Dieses Verfahren macht die Verklappung des Baggergutes in den Meeren überflüssig. Dabei wird das Verfahren für jeden Hafen auf unkomplizierte Weise angepasst.

Die Rede ist von der Sedimentkonditionierung. Das Verfahren nutzt die physikalische Eigenschaft von Schlick aus, sich z. B. mit einer Baggerpumpe ohne Wasserzusatz soweit verflüssigen zu lassen, dass er als Flüssigschlick (Fluid Mud) problemlos von Schiffen durchfahren werden kann. Gleichzeitig wird am Baggerort eine Neuverschlickung verhindert. Die Entnahme von Schlickmaterial ist also zur Beseitigung von Mindertiefen nicht mehr erforderlich. Das Verfahren ist langjährig erprobt; es fehlt nur an der Bereitschaft, dieses flächendeckend für die Schiffbarhaltung von Fahrrinnen und Hafenbecken zu nutzen. Im Außenhafen Emden wurden früher ca. 4 Mio. m³ Sediment pro Jahr gebaggert, heute wird kein einziger Kubikmeter mehr entnommen. Ergebnis ist eine Kostenreduzierung von ca. 12 Mio. € auf 2 Mio. € pro Jahr.

Warum nur im Hafen Emden?

Es stellt sich die Frage: Warum wird die Sedimentkonditionierung nicht in allen anderen von Verschlickung betroffenen Häfen und Wasserstraßen Deutschlands eingesetzt? Diese Frage bleibt derzeit unbeantwortet, denn Angebote für einen entsprechenden Technologie- und Wissenstransfer an die Hafen- und Wasserstraßenverwaltungen und die Politik gab es genug.

Beispiel 1: Nicht-Anwendbarkeit in der Ems – physikalischer Unsinn

Innovision bot dem Bundesverkehrsministerium an, die Ems mit der Sedimentkonditionierung etwa zum halben Preis schiffbar zu machen. Das Ministerium lehnte ab. Die Begründung: „Es könne gesichert angenommen werden, dass konditioniertes Baggergut in einem durchströmten Flusssystem regelmäßig verdriftet.“ Die Betonung liegt hier auf „angenommen“. Denn es gibt Messdaten, die diese Annahme eindeutig widerlegen: Bei entsprechenden Untersuchungen in der Ems wurde in 2 m mächtigem, schiffbarem Flüssigschlick die Strömungsgeschwindigkeit Null gemessen, selbst als dieser von Wasser mit Strömungsgeschwindigkeiten von mehr als 1 m/s überströmt wurde. Ein Verdriften bei einer Fließgeschwindigkeit von 0 m/s ist physikalisch völlig abwegig und widerspricht allen Untersuchungsergebnissen an den Orten, wo bereits Schlickkonditionierungstests durchgeführt wurden. Auf diese Feststellungen lieferten die Verantwortlichen bis heute leider keine Antwort.

Beispiel 2: Hamburger Hafen – gezielte Falschmeldungen

In Fachkreisen und in der Politik wird seit Jahren verbreitet, die Sedimentkonditionierung sei im Hamburger Hafen getestet worden und gescheitert. Die Sedimentkonditionierung wurde aber im Hamburger Hafen nie getestet. Das heißt, es wurde eine gezielte Falschmeldung verbreitet.

Und die Umweltorganisationen?

Die Vermüllung der Weltmeere durch Plastiktüten ist zu Recht ein großes Thema. Die Verklappung von Baggergut aber auch. Dennoch ist bei den Umweltorganisationen anscheinend kein ernsthaftes Interesse an innovativen Baggerkonzepten vorhanden. Innovision hat alle großen Umweltorganisationen mehrmals eingeladen, sich das Verfahren zeigen und erläutern zu lassen. Diesen Einladungen ist bis heute nur Greenpeace gefolgt. Innovision regt daher nochmals an, sich ein neutrales Bild von dem Verfahren zu machen.

Zusammengefasst:

Die Sedimentkonditionierung ist ein umweltschonendes, kostensparendes und praxiserprobtes Verfahren zur Schiffbarmachung von Häfen und Wasserstraßen. Eine kleine Allianz aus Politik und Wirtschaft scheint jedoch seit nunmehr zwei Jahrzehnten dessen umfassenden Einsatz in Deutschland zu verhindern. Ein möglicher Grund: Mit dem Ausbaggern und Verklappen von Baggergut verdienen vor allem große Baggerunternehmen viel Geld – und innovative Verfahren passen nicht in eine besitzstandswahrende Kultur. So wird das kostenintensive Ausbaggern und Verkappen von Baggergut seit Jahrzehnten auf Kosten des Steuerzahlers betrieben: Auch in Zukunft: Denn so wie es bisher unbedacht ausgeführt wird, liefert die Natur den Schlick Tag für Tag nach.